Jugend(kultur)arbeit

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NOT ALONE! Infoblog der Jugend(kultur)arbeit!

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Gute Neuigkeiten aus Chemnitz
Pressemitteilung: Entstandene Freiräume in der Jugendarbeit für Prävention nutzen
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PRESSEMITTEILUNG - Chemnitz, 24. Januar 2023netzwerk kultur jugendarbeit

Entstandene Freiräume in der Jugendarbeit für Prävention nutzen

Die Stadt Chemnitz hat am 18. Januar 2023 bekannt gegeben, dass die perspektivisch zur Nicht-Förderung vorgeschlagenen Einrichtungen der Jugendarbeit, der Integrationsbegleitung und die Kinder- und Familienzentren über zusätzliche Landesmittel erhalten bleiben könnten. Diese Entscheidung hat das Bündnis „Aktion für Zukunft“ sehr positiv aufgenommen. Ein besonderer Dank geht an alle Unterstützerinnen und Unterstützer, die sich seit dem Bekanntwerden der nicht vorgesehenen Förderung hinter die betroffenen Einrichtungen und Projekte gestellt haben.

Dem Dezernat 5 sind fast alle Bereiche untergeordnet in welchen das Miteinander unserer Stadtgesellschaft organisiert werden. Um den Anforderungen der vergangenen Krisenjahre gerecht zu werden halten wir an unserer Forderung fest: Es braucht ein Mehr statt ein Weniger. Wir appellieren daher an alle Entscheidungsträger:innen und an den Stadtrat die entstandenen Handlungsspielräume mit Blick auf die Funktion der Präventionsarbeit dieser Bereiche einzusetzen. Über alle Bereiche des Dezernates 5 hinweg – Jugend, Sport, Kultur und Soziales, wird wertvolle Präventionsarbeit für die Grundsteine unserer Stadtgesellschaft geleistet, nicht nur in den einzelnen Bereichen, sondern auch übergreifend. Die proaktive Förderung dieser Bereiche verhindert hohe Folgekosten in den kommenden Dekaden. Jeder im Bereich des Dezernates 5 investierte Euro kommt einer positiven Stadtentwicklung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt entgegen. Für Gespräche zu konkreten Möglichkeiten der Ausgestaltung stehen wir gern zur Verfügung.

Wir werden als Aktion für Zukunft bis zur Beschlussfassung des Haushaltes und darüber hinaus die Entwicklungen im Sinne einer breit aufgestellten Trägerlandschaft und einer lebendigen Stadtgesellschaft kritisch-konstruktiv begleiten.

Kontakt für Rückfragen:

Gregor Richter, 01573-1839491, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Netzwerk für Kultur und Jugendarbeit e. V., Moritzstraße 19, 09111 Chemnitz
Webseite: https://aktion-fuer-zukunft.nkjc.de/

Die Aktion für Zukunft ist ein Zusammenschluss der Vereine im Netzwerk für Kultur und Jugendarbeit e. V., des Kulturbündnissses Hand in Hand e.V., des Paritätischen Wohlfahrsverbandes, des Chemnitzer Sportbundes und vieler weiterer Vereine und privater Personen.

Das Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit e. V. ist ein freiwilliger Zusammenschluss von vorwiegend gemeinnützigen Vereinen, Verbänden und Initiativen in Chemnitz. Wir handeln auf der Grundlage von demokratischen Entscheidungen sowie offenen und transparenten Arbeitsstrukturen. Der Verein lebt vom aktiven Mitwirken seiner mehr als 70 Mitglieder. Das Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit e. V. verfolgt den Zweck der Förderung und Unterstützung von Kunst und Kultur, insbesondere Soziokultur, demokratischer Bildung sowie von Jugendarbeit und Jugendhilfe. Der Verein ist parteilich unabhängiger Interessenvertreter seiner Mitgliedsvereine. Die Vernetzung und Bündelung von Ressourcen sind Ansprüche, die in der täglichen Arbeit realisiert werden.

Ohnmacht, Krisen, Inflation - Perspektiven junger Menschen in Sachsen
1 Eroeffnungs Beitrag 
Zur Diskussion um die Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit gehört auch der Blick auf unsere Zielgruppen. Dazu ein bewegender Artikel des LAK Mobile Jugendarbeit.

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Ohnmacht, Krisen und Inflation Perspektiven junger Menschen in Sachsen

Während auch für weite Teile der Mittelschicht unserer Gesellschaft die Angst vor Armut durch Inflation, Krieg und Energiekrise realer wird, hat sich die Situation für Menschen, die bereits von Armut betroffen sind, gravierend verschlechtert. Mit den folgenden Beispielen möchten wir Einblicke in die Lebenssituationen junger Menschen in Sachsen geben und Probleme aufzeigen, die für uns in der Mobilen Jugendarbeit oft nicht neu sind, sich aber in den letzten Monaten drastisch verschärft haben.

„Damit mein 2-jähriges Kind genug zu Essen bekommt, verzichte ich selbst auf Essen und bin oft hungrig. Bei der Tafel wurde ich mehrmals wegen Überfüllung abgewiesen.“, Danilo, 25 Jahre

Menschen hungern! Auch wenn das für uns eine traurige Arbeitsrealität darstellt, müssen wir feststellen, dass uns im letzten halben Jahr immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nach Essen fragen, weil sie Hunger leiden. Wir als Mobile Jugendarbeit versorgen immer mehr Menschen mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten, die sie oder ihre Familien sich nicht leisten können. Bereits 2021 waren rund 25% aller jungen Menschen unter 25 Jahren in Deutschland armutsgefährdet. (BAG KJS e.V., Monitor Jugendarmut in Deutschland 2022) Wir müssen entsprechend unserer alltäglichen Wahrnehmungen davon ausgehen, dass sich diese Zahl im letzten Jahr deutlich erhöht hat.

„Ich möchte eine Ausbildung als Krankenpflegerin machen, kann mir diese aber nicht 'leisten', da das Ausbildungsgehalt nicht ausreicht, um eine Wohnung zu bezahlen. Deswegen jobbe ich derzeit als Lagerlogistikerin und Kassiererin.“, Alex, 17 Jahre

Noch immer folgen gesellschaftliche Diskussionen den Narrativen einer selbstverschuldeten Situation oder mangelnder Anstrengung, um Armut zu entkommen. Gleichzeitig werden Ausbildungsplätze nicht angenommen, da ihre Vergütung nicht ausreicht, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Armut wirkt sich auf das komplette Leben aus. Sie kann krank machen, zu Rückzug und Isolation führen, ist mit Scham besetzt und verhindert die Entwicklung von Lebensperspektiven. Gleichzeitig ist es in den letzten Jahren schwieriger geworden schnell und effektiv Hilfe zu bekommen. Der Zugang zu Behörden ist komplizierter geworden und Termine liegen oft erst weit in der Zukunft. Während die einen vielleicht länger auf die Zulassung ihres Autos warten müssen, warten die anderen monatelang auf die Bearbeitung lebenswichtiger Angelegenheiten.

„Um meine Bewerbungsgespräche und meine Termine bei der Schuldnerberatung, Suchtberatung und meiner Psychologin wahrzunehmen, kann ich mir ja nicht jedes Mal ein Ticket kaufen.“, Erik, 22 Jahre

So wie Erik ergeht es vielen Menschen, mit denen wir arbeiten: Sie stehen vor der alltäglichen Entscheidung sich ein Ticket zu kaufen, was sie sich eigentlich nicht leisten können oder einen wichtigen Termin zu verpassen, der für die Verbesserung ihrer Lebenssituation notwendig ist. Häufig ist die einzige Lösung dann "schwarz" zu fahren und hohe Bußgelder zu riskieren. Hierdurch ergeben sich wiederum neue Schulden, die, wenn sie nicht beglichen werden können, am Ende zu einer Freiheitsstrafe führen.

„Mit dem 9-Euro-Ticket konnte ich das erste Mal in meinem Leben nach Berlin fahren, das war total cool!“, Emely. 22 Jahre

Während der dreimonatigen Phase des 9-Euro-Tickets konnten wir wahrnehmen, wie viel unbeschwerter und auch schöner das Leben für die Menschen war, mit denen wir arbeiten. So war nicht nur der eben beschriebene Alltag leichter zu organisieren, auf einmal waren auch Reisen in andere Städte und zu Verwandten möglich. Der viel bemühte Begriff der "gesellschaftlichen Teilhabe" wurde auf einmal zumindest für den Bereich der Mobilität realisiert. Das im Budget des Bürgergeldes nur 45,02 € für Mobilität vorgesehen sind, ist angesichts des kommenden 49-Euro-Tickets absurd.

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Kundgebung "Jugend ist Zukunft" - Rückblick  >> weitere Informationen: bitte anklicken
18 01 2023 Leipzig Anker

 

18 01 2023 Leipzig Anker

Am 18.01.2023 riefen Akteur:innen und Teilnehmer:innen der Leipziger Jugendhilfe dazu auf, mit dem neuen Haushalt die Fortführung und Sicherung der bestehenden Träger- und Angebotslandschaft zu sichern.

So unübersichtlich wie die Gemengelage um die Finanzen für die Kinder- und Jugendarbeit zeigte sich auch die Kundgebung. Am Vormittag wurde sie offiziell  abgesagt (Überschneidung mit anderen Kundgebungen). Da viele Menschen davon nicht mehr rechtzeitig in Kenntnis gesetzt werden konnten, fanden sich trotzdem zahlreiche Unterstützer:innen vor dem Rathaus ein. Manche Themen dulden halt keinen Aufschub....

Demo Aufruf InfosDemo Aufruf 18.01.2023

Besuch im Anker e.V. in Leipzig
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Nach der Kundgebung trafen Kirstin und Tobias (Geschäftsstelle LVS) sich mit dem Anker-Team um Heike Engel. Die dortige Jugendarbeit scheint auf einer sog. Streichliste zu stehen. Wir haben über mögliche Maßnahmen ausgetauscht und warten nun die erste Lesung zum Haushalt ab. Noch besteht Hoffnung, dass Streichungen in der Leipziger Jugendhilfe abgewendet werden können.

Gemeinsam geht es besser...
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So wie dem Anker ergeht es derzeit an vielen Orten in Sachsen geförderten Einrichtungen der (offenen) Kinder- und Jugendarbeit. Die finanzielle Unsicherheit kehrt mit jedem zu beschließenden Haushalt zurück. Und das, obwohl viele Träger seit mehreren Jahrzehnten zuverlässige Arbeit im Gemeinwesen leisten. Dies zehrt an den Kräften und lässt die angemessene Wertschätzung der Arbeit vermissen. Ein guter Zeitpunkt, um sich wieder zu erinnern: Gemeinsam geht es besser. Die Träger brauchen die Städte und Kommunen hinter sich (ideell und finanziell), um nachhaltig und verlässlich arbeiten zu können. Aber genauso werden die freien Träger benötigt, damit hochwertige und zielgruppenspezifische Angebote für junge Menschen unterbreitet werden können. Auch wenn die offene Kinder- und Jugendarbeit eine Kann-Leistung ist, können wir uns als Gesellschaft Kürzungen in diesem Bereich nicht leisten.