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Liebe Kolleginnen und Kollegen, gebt sachsen nicht auf
liebe Freunde, liebe Chemnitzer,
liebe Vertreter aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft,
liebe Anständige,


Wir sind bei euch! Chemnitz und Sachsen brauchen jetzt mehr denn je die Solidarität der Gesellschaft. „GEBT SACHSEN NICHT AUF“ stand auf einem Demo-Plakat auf der Seite der Anständigen. Liebe Sachsen, liebe Bundesbürger, 75% der sächsischen Bevölkerung hätten laut aktueller Umfrage nicht die AfD gewählt. Aber 25 % auf der anderen Seite sind eine große Belastung für die noch junge ostdeutsche Demokratie. Nichts wäre jetzt schlimmer, als Sachsen der rechten Deutungshoheit zu überlassen und darüber die Bloßstellung des Ostens weiter zu betreiben.

Wir appellieren daher an alle Bundesbürger, das Problem nicht an DEN Sachsen festzumachen, sondern IN Sachsen auszumachen. Wir wissen, dass es zuweilen schwer auszuhalten ist, was in Sachsen passiert. Wir haben das Problem vor Ort, in unserer Heimat! Deshalb brauchen wir eure Solidarität!

Es gibt keinerlei Rechtfertigung für das Mitlaufen bei einer eindeutig rechtsradikalen Nazidemonstration, aber es gibt Gründe, warum die rechte Gesinnung gerade in Ostdeutschland und Sachsen so viele Anhänger findet. Wir wünschen uns für Sachsen und Ostdeutschland mehr Analyse und Differenzierung. Demokratie ist eine Staatsform, die erlernt und erfahren werden muss. Ostdeutschlands Demokratie ist noch keine 30 Jahre alt. Es gibt noch viel zu tun!

"Integriert doch erst mal uns!" so der Titel des neuen Buches der sächsischen Integrationsministerin Petra Köpping, das diese Woche erscheinen soll. Genau dieser Satz macht die Vielschichtigkeit der Situation deutlich. Viele Ostdeutsche fühlen sich wie Migranten im eigenen Land. Das Leben ist komplex! Der Osten ist anders als der Westen! Wir hoffen, dass es bald gelingt, aus der Unterschiedlichkeit einen positiv besetzten Vielfaltsbegriff ableiten zu können – in Ostdeutschland, in Deutschland, in Europa!

Es sind mutige Bürgerinnen und Bürger, es sind die Verteidiger der Demokratie, es sind Bündnisse aus der Mitte der Gesellschaft, die sich in Chemnitz und Sachsen gegen rechte Demonstranten stellen. Aber eine AfD, die für sich selbst den Gleichbehandlungsgrundsatz einfordert und politische Neutralität von Lehrern, Beamten oder Kulturinstitutionen einklagt, die sich der Werte und Grundsätze der Demokratie zur eigenen Bestandssicherung bedient, verliert ausnahmslos diese Ansprüche, wenn sie sich gemein macht mit gewaltbereiten, den Hitlergruß zeigenden, „Heil Hitler“ skandierenden Demonstranten.

Wer demokratisch behandelt werden will, muss auch für demokratische Werte einstehen.

 

Ihr Landesverband Soziokultur Sachsen e.V.