KULTURARBEIT ganz praktisch in Zeiten von CORONA

Wie Kulturarbeit und Miteinander in Corona-Zeiten gestaltet und Vergemeinschaftung trotz „Social Distancing“ – zumindest annähernd – interaktiv gelebt werden kann, dafür gibt es allerhand Beispiele und Anregungen, vor allem aus der Soziokultur und der Kulturarbeit. In dieser Rubrik finden sich Impulse aus Kultur-, Jugend- und Gemeinwesenarbeit, beginnend mit Aktivitäten aus den Soziokulturellen Zentren Sachsens.

 

 Mit Kultur Zusammenhalt stärken!

Die Corona-Pandemie stellt unsere Gesellschaft und den vorbehaltlosen Zusammenhalt zunehmend auf eine Belastungsprobe. Der Slogan “Gemeinsam gegen Corona” scheint zunehmend zu verblassen, die Kritik an den Maßnahmen wird lauter, Ziel- und Interessenskonflikte größer. Umso wichtiger werden Angebote der Kultur und der kulturellen Bildung. Diese können im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhaltes aufzuklären, animieren, Gemeinschaft stiften und das Miteinander stärken.

Beispiele, die zum Nachahmen anregen und Impulse für Gemeinschaftsaktionen liefern.
 

  • leipziger WeihnachtsalllereiDas Haus Steinstraße bietet mit "WeihnachtsAllerlei" 24 digitale Überraschungen für das Warten bis Weihnachten! Jeden Tag Bastel- und Bewegungsangebote auf YouTube.

 

  • hoyschreckeIn der Kulturfabrik Hoyerswerda fliegt die “Hoyschrecke” online
    Ein altbewährtes Liedermacherfestival begibt sich in digitale Sphären und trotzt so dem Virus. In Kooperation mit dem Freien Bürgerradio Slubfurt e. V.

 

  • steinhaus gemeinsam helfenDas Steinhaus e. V. ist mit der Aktion “GemeinsamGegenCorona” in Bautzen und im Umland aktiv. Zudem werden Workshops und Veranstaltungen gestreamt, um Solo-KünstlerInnen und Selbstständige zu unterstützen.

 

  • schaubuehne lindenfels interface theaterDie Schaubühne Lindenfels lädt zum digitalen Interface-Theater
    Gespräche mit Personen aus Vergangenheit und Gegenwart, Spekulationen über Zukunft inbegriffen. Eine spannende Zeitreise mit Erkenntnisgewinn.

 

  • putjatinhaus weihnachtDas Putjatinhaus verzaubert mit märchenhaften Eindrücken und Geschichten - Zschachwitzer Märchentage Die Märchentage im Dresdner Stadtteil Kleinzschachwitz finden corona-konform mit Stummfilmen an Häuserwänden und aufsuchenden Kunstaktionen (“Märchen” vor der Haustür) statt.

 

  • zwenkauDie kulturinitiative zwenkau e.V. initiiert mit Theaterprojekt amüsante Online-Formate Mit dabei sind ein Online-Origami-Theaterworkshop, Könige im Treppenhaus, Rollender Kaffee und Treppenwitze.

 

 

  • buddehaus dezDas Budde-Haus macht mit der "Aktion Programmacher" aus Besuchern Kulturgestalter Mit der Aktion “Programmacher” wurden Beiträge von BesucherInnen gesammelt, die das Kulturprogramm des Budde-Hauses bereichern, veröffentlicht wurden diese in der “Zaungalerie”.

 

  • muehlstrasse soli adventskalenderDas soziokulturelle Zentrum Mühlstraße 14 e. V. hilft mit Telefon-Ring und mit einem Soli-Adventskalender über die kontaktarme Zeit
    Im Seniorentreff „Inge und Walter“ tauschen sich Menschen regelmäßig untereinander im Telefon-Ring über ihre Gesundheit, Gedanken, Handarbeit oder gerade gelesene Bücher aus.

 

 

  • Der Frauenkultur e. V. aus Leipzig sorgt für Aufklärung, appelliert metaphorisch an die Vernunft und zeigt was man selber tun kann. Zudem sorgt das soziokulturelle Zentrum mit einer Online-Gebrauchsanweisung für reibungsfreie und sichere Begegnungen im digitalen Raum.

 

Soziokultur bleibt weiter aktiv

Trotz der coronabedingten Schließungen sind nahezu alle 62 Mitglieder des Landesverbandes Soziokultur Sachsen weiter aktiv in der Jugend- und Kulturarbeit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in soziokulturellen Zentren:

  • sind für ihre BesucherInnen und die BewohnerInnen erreichbar – ob jung oder alt
  • fungieren als Ansprechpartner für die Anliegen, Sorgen und Ideen der Menschen vor Ort,
  • bieten Kultur und Bildung in neuen interaktiven Formaten an
  • veröffentlichen stetig Informationen rund um die Corona-Krise und
  • koordinieren Hilfs- und Unterstützungsaktionen

Damit fungiert Soziokultur als eine Kulturpraxis, die, im Gegensatz zu vielen anderen Sparten, auch ohne Publikumsverkehr als Anker im Gemeinwesen aktiv und wahrnehmbar tätig bleibt. Soziokultur hilft, die Krise zu bewältigen – mit den Mitteln der Kulturarbeit und für die Menschen vor Ort! Ein Einsatz, der in der gegenwärtigen Situation unabdingbar ist – für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine kulturelle Grundversorgung.

Das ist Leipzig – Soziokulturelle Zentren und Gemeinwesenarbeit in Corona-Zeiten
Was Kulturarbeit bzw. Soziokultur in Krisenzeiten leistet, wird in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Leipziger Soziokulturellen Zentren deutlich:

„Gemeinwesenarbeit ist nun noch wichtiger geworden. Die soziokulturellen Zentren haben einen    Vorteil: Sie kennen – anders als ein Konzerthaus oder ein großes Theater – ihre Gäste, haben oft seit Jahren engen Kontakt zu ihnen, passen das Programm den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Nutzer an. Vielleicht verwundert es deshalb nicht, dass nun sehr persönliche Angebote und Interessen bedient, Gespräche per Telefon bereitgehalten und Einkäufe erledigt werden können. Es gibt die Ein-Mensch-Disco und das kollektive Geschichtenschreiben, Hausaufgabenhilfe und Denkspiele per Telefon, Tanzvideos zum Mitmachen, Brieffreundschaften gegen Einsamkeit, Töpfern to go, Familientreff und Seniorenstammtisch per Video, Kuchenbeutel an der Türklinke, Vor-dem-Haus-Besuch und Von-Straße-Zu-Fenster-Kontakt.“

 

Gemeinschaftsaktionen und Kulturarbeit

Mit folgenden Beispielen werden Anregungen gegeben, wie Vergemeinschaftung und Interaktion gelebt werden kann und wie sich mit Kulturarbeit bzw. den Mittel des künstlerischen Ausdrucks für ein starkes Miteinander eingesetzt werden kann.

Nachbarschaftshilfe und Ehrenamt

Nachbarschaften unterstützen. Ansprechpartner sein. Engagement koordinieren.  Klingeln und fragen, ob jemand Hilfe braucht, einkaufen gehen, Hund ausführen oder einfach nur das Zeichen geben: Wir sind da! Niemand ist allein! Weiter oben sind soziokulturelle Zentren aufgeführt, die solche Aktionen koordinieren. Hier finden sich weitere Beispiele aus Sachsen und darüber hinaus (die Aufzählung ist unvollständig)

 

Mit Musik gegen Corona – Zwei Songs die sensibilisieren
I can’t get no desinfection – Wie man mit Song für Abstands – und Hygieneregeln sensibilisiert – Video und Song des schweizerischen Onlinemagazins Izzy. Die Idee dahinter ist es, jungen Menschen die aktuelle Situation verständlich zu machen und auf Weise für Verhaltensregeln zu sensibilisieren.
Risikogruppe – Gestorben wird später. Die Musikerin Nadine Maria Schmidt aus Leipzig hat einen bewegenden Song geschrieben, der darauf aufmerksam macht, welche Menschen gemeint sind, wenn von sog. „Risikogruppen“ die Rede ist. Der Song wirbt für Mitmenschlichkeit und Solidarität. "Schützt Du Dich, dann schützt Du mich"

 

Jugend(kultur)arbeit im Netz - Digitales Miteinander
Jugend- und Freizeittreffs haben geschlossen. Mit Online-Angeboten für kann man die praktische Arbeit „vor Ort“ mit dem Internet verknüpfen und gleichzeitig Jugend-Medien-Bildung fördern. Interaktive Treffmöglichkeiten und professionelle Begleitung ermöglichen ein Alternativangebot, das mehr als „reiner Zeitvertreib“ im Netz ist und vor allem dabei unterstützt, den Kontakt zwischen Kindern, Jugendlichen und Sozialpädagogen aufrecht zu erhalten.
Beispiel Virtueller Jugendtreff - Alter Gasometer
Das digitale Jugendhaus - Anregungen der AGJF Sachsen

 

"Fernsehen" selber machen
Die Digitalisierung macht es möglich. Der selbstgedrehte Clip als Bastelanleitung, der Familiensongcontest, das interaktive Märchenspiel. Man stelle sich vor, jeden Tag ist eine Familie dran oder eine Kita oder ein Kultureinrichtung ein 2-stündiges Programm zu bauen. Das hilft Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen müssen und nicht immer Netflix bedienen wollen. Organisieren und kommunizieren können das Jugend- und Kultureinrichtungen.

 

Support your local store – Spenden, Gutscheine u. ä. zum Erhalt kleiner Läden
Gerade der kleine „Tante Emma-Laden“ um die Ecke, der „Ein-Mensch-Friseursalon“ oder das gemütliche „Schnack-Café“ im Kiez haben es jetzt besonders schwer. Dort kann man nachfragen, wie man unterstützen kann, Spendenaktionen von Stammkunden ins Leben rufen oder Gutscheine kaufen. Hauptsache: Gemeinsam. Das macht Mut und bringt zusammen. www.supportyourlocal.online

 

Nähen für die Gesundheit – Mundschutz selbst gemacht
Mundschutzmasken werden in großen Mengen benötigt. Der Bedarf ist so hoch, dass jetzt alle geschickten Hände benötigt werden. Wer tatkräftig unterstützen will, kann seine Nähmaschine anwerfen und selber Nähen, Nachfragen wo es Bedarf an Mundschutz gibt (Kliniken, Polizei, Verwaltung, Apotheken, stationäre Einrichtungen), Stoffe sammeln und an Näherinnen und Näher weitergeben (kochfeste Baumwolle). Nähanleitungen finden sich u.a. hier: Mundschutz nicht auffaltbar - Malu Nähcafe Dresden

 

Rezeptive Kulturformate - Ausgewählte Portale und Plattformen

Viele Kultureinrichtungen bieten ihr Programm mittlerweile Online an – ob Theaterstücke, Konzerte oder virtuelle Museumsrundgänge – für jeden ist etwas dabei und es lohnt sich auf den Websites einzelner Kulturinstitutionen nachzusehen. In dieser Rubrik finden sich Online-Angebote, die Kulturprogramme bündeln bzw. einzelnen Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform geben.

#closedbutopen: Kulturveranstaltungen im Internet
Viele haben inzwischen kreative, digitale Lösungen gefunden, um ihr Kulturangebot trotzdem über das Internet anzubieten. Das Team von Kultur öffnet Welten hat eine Auswahl der digitalen Angebote auf einer Übersichtsseite zusammengestellt. /// Link zur Übersicht

 

Kultur trotz Corona: Konzerte, Lesungen und Kunst von zu Hause erleben
Das Online-Angebot der Süddeutschen Zeitung bietet eine übersichtliche und laufend aktualisierte Auswahl an weltweiten Angeboten aus Pop-Kultur, Literatur, Film, Klassik, Oper etc.
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