Corona & Kulturbereich

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Der zweite Lockdown ist da. Eigentlich haben wir es alle gewusst! Besonders schwierig scheint, dass aktuell niemand weiß, wo und wie sich die Menschen eigentlich anstecken. Ja, es ist ein Versuch der Regierung, jetzt das zu schließen, was verzichtbar erscheint und nicht lebensnotwendig, um die Infektionsrate zu minimieren. Es ist ein bisschen wie das Fischen im Trüben oder das Prinzip Hoffnung.

Für die Kulturschaffenden ist es vor allem eine Katastrophe. Nachdem alle mit Hygienekonzepten, hohen Investitionen, Aufklärungskampagnen und ganz viel kreativem Herangehen wirklich Großartiges geleistet und sich aufopferungsvoll für Andere eingesetzt haben, ist es sehr bitter, dass ausgerechnet hier – genauso wie in der Gastronomie oder beim Breitensport der Lockdown erfolgt. Und ob es so klug ist, stattdessen alle menschlichen Zusammenkünfte ins Private zu verlagern ist auch nicht sicher.

ABER! Was wäre die Alternative? Nur weil wir nicht wissen, wo und wie eigentlich die Infektionsherde entstehen, tun wir einfach nichts? So mag die DEHOGA eine Klage erwägen ob der neuerlichen Schließanordnung. Angesichts eines drohenden Kollapses unseres Gesundheitswesens und immer mehr schwer erkrankten Menschen und steigenden Todesfällen, muss aber die Verhältnismäßigkeit der Forderungen gewahrt bleiben. Bei allem was noch schief läuft, fragwürdig oder inkonsequent ist, Rechte beschneidet und Existenzen bedroht: Leib und Leben zu schützen, Menschen, Eltern, Großeltern, den Freund oder die Nachbarin – hat die höchste Priorität. Ich glaube, die überwiegende Mehrheit der wirklich massiv betroffenen Kulturschaffenden versteht das.

ABER! Im Gegenzug brauchen die Kulturschaffenden auch das Verständnis und die monetäre Solidarität der Gesellschaft. Im neuen Doppelhaushalt Kürzungen in der freien Kultur zu erwägen wäre ein fatales Zeichen, genauso braucht es endlich eine angemessene Unterstützung für die vielen Soloselbständigen und Clubbetreiber.

Ich wünsche mir eine viel größere Solidarität, keine Denkverbote mehr für eine Umverteilungsdebatte in den Ressorts und der Gesellschaft. Denn nicht alle Menschen sind gleichermaßen in ihrer Existenz bedroht. Das gilt für die Kultur genauso wie für die gesamte Gesellschaft.

Ich wünsche mir mehr Mut, in der Krise auch unkonventionell zu handeln.

Ich wünsche mir, dass sogenannte „freiwillige Leistungen“ nicht automatisch zur Manövriermasse werden, weil alles andere vermeintlich unantastbar ist.

Ich wünsche mir, dass wir in einer globalen Krise die Perspektiven wechseln und Gesellschaft ganzheitlich begreifen – auch die Wirtschaft retten wir nicht der Wirtschaft wegen, sondern weil hier Arbeitsplätze, Produkte und unser aller Wohlstand daran hängen. Genauso verhält es sich mit der Kultur oder dem Sozialbereich. Wir schützen und fördern dies, weil wir damit den gesellschaftlichen Frieden und Zusammenhalt sichern, Solidarität und Engagement unterstützen und lebenswichtige Sinnhorizonte entstehen lassen. Denn der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, sagt schon ein alter biblischer Spruch. Wir müssen die enorme Bedeutung dieser Bereiche für das Funktionieren einer Gesellschaft, ihre demokratischen Grundwerte und Zivilisationserrungenschaften viel stärker in den Bick nehmen. Und ja, dann spielen auch die Künstler und Künstlerinnen wieder eine Rolle, die Jugendarbeit, die Zivilgesellschaft oder die Demokratiearbeit…

Ich wünsche mir, dass wir streiten um das, was uns als Gesellschaft ausmacht und mit Weitblick und Vernunft für die ganze Gesellschaft Entscheidungen treffen.

Bleiben Sie gesund!

Anne Pallas