Neue Auswertung des Kulturamtes zeigt eindrucksvoll, welche Reichweite und Wirkung die Freie Kunst- und Kulturszene in Leipzig entfaltet
Wie leistungsfähig ist die Freie Kunst- und Kulturszene – und welche Wirkung hat öffentliche Kulturförderung? Diesen Fragen ist das Kulturamt der Stadt Leipzig erstmals systematisch anhand von Leistungs- und Kennzahlen nachgegangen. Die Auswertung „Kultur – zahlt sich aus!“ basiert auf den Verwendungsnachweisen institutionell und projektgeförderter Einrichtungen und Projekte und nimmt unter anderem Besucherzahlen, Veranstaltungen, Förderstrukturen, Fördereffizienz und die finanzielle Hebelwirkung öffentlicher Kulturförderung in den Blick.
Die Ergebnisse machen deutlich: Die Freie Szene ist ein zentraler Bestandteil des kulturellen Lebens in Leipzig – mit einer enormen Reichweite und einer erheblichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirkung.
1,4 Millionen Besuche und 27.500 Veranstaltungen
Im Jahr 2024 besuchten rund 1,4 Millionen Menschen die Angebote der vom Leipziger Kulturamt geförderten Freien Kunst- und Kulturszene. Insgesamt wurden rund 27.500 Veranstaltungen realisiert. Rechnerisch bedeutet das: Alle 19 Minuten fand in Leipzig eine vom Kulturamt geförderte Veranstaltung der Freien Szene statt. Durchschnittlich rund 3.800 Menschen pro Tag besuchten geförderte Einrichtungen und Projekte.
Die Zahlen verdeutlichen die enorme Vielfalt der Freien Szene: Sie reicht von Stadtteilprojekten und soziokulturellen Angeboten über Clubs und Theater bis hin zu Ausstellungen, Konzerten und Literaturformaten. Dabei entstehen nicht nur kulturelle Angebote, sondern auch Orte der Begegnung, des Austauschs und der gesellschaftlichen Verständigung.
Besonders bemerkenswert ist der Stellenwert der Soziokultur. Rund 703.000 Besuche entfielen 2024 auf diesen Bereich – damit ungefähr die Hälfte aller erfassten Besuche. Die Auswertung bezeichnet die Soziokultur entsprechend als eine stabile Säule der Freien Kulturszene.
Öffentliche Förderung mobilisiert weitere Mittel
Die Untersuchung richtet den Blick nicht nur auf die kulturelle Leistung, sondern auch auf die finanziellen Effekte der Förderung. Das Ergebnis: Jeder Euro Kulturförderung durch die Stadt Leipzig generiert rechnerisch weitere 3,20 Euro – etwa durch Eigenmittel, Drittmittel, Sponsoring oder zusätzliche öffentliche Finanzierung. Allein die institutionell geförderten Einrichtungen der Freien Szene erwirtschafteten auf diese Weise ein Gesamtvolumen von rund 30 Millionen Euro.
Auch die Kostenperspektive ist aufschlussreich: Die städtisch getragenen Kosten pro Besuch lagen 2024 bei rund 8,20 Euro.
Damit liefert die Auswertung wichtige Argumente für eine Kulturpolitik, die öffentliche Förderung nicht allein als Ausgabe betrachtet, sondern als Investition in kulturelle Infrastruktur und gesellschaftliche Teilhabe.
Kultur als Teil der Stadtgesellschaft
Die Bedeutung der Freien Szene zeigt sich nicht nur in den Leistungszahlen. In der Leipziger Bürgerumfrage 2025 bewerteten mehr als 70 Prozent der Leipzigerinnen und Leipziger die Angebote der Freien Szene als wichtig für das kulturelle Leben der Stadt. 75 Prozent sehen die Freie Szene als wichtigen Bestandteil der kulturellen Identität Leipzigs.
Damit bestätigen sich auch jenseits der statistischen Kennzahlen die vielfältigen Funktionen freier Kultur: Sie schafft Zugänge zu Kunst und Kultur, ermöglicht Beteiligung, stärkt soziale Beziehungen und prägt die Identität von Stadtteilen und der Gesamtstadt.
Eine wichtige Datengrundlage für Kulturpolitik
Die Leipziger Auswertung ist dabei ausdrücklich keine klassische wissenschaftliche Studie. Das Kulturamt hat vorhandene Daten aus den Verwendungsnachweisen der institutionell und projektgeförderten Akteurinnen und Akteure zusammengeführt und ausgewertet. Einzelne Kennzahlen sind deshalb als Näherungswerte zu verstehen.
Gerade darin liegt zugleich ihr Wert: Erstmals werden die Leistungen der geförderten Freien Szene über einzelne Projekte und Förderperioden hinaus sichtbar und in ihrer Gesamtheit dokumentiert. Die Daten sollen künftig fortgeschrieben werden und damit eine Grundlage für kulturpolitische Entscheidungen und die weitere strategische Entwicklung der kulturellen Infrastruktur bilden.
Der Leipziger Kulturamtsleiter Tobias Kobe versteht die Ergebnisse entsprechend als „Bestätigung und Auftrag“: Die Zahlen zeigten sowohl die Leistungsfähigkeit der Freien Szene als auch die Wirkung kontinuierlicher und verlässlicher Kulturförderung.
Ein Beispiel mit Signalwirkung
Für die Soziokultur und die Freie Szene in Sachsen ist die Leipziger Auswertung besonders interessant. Sie zeigt anhand konkreter Zahlen, was Kulturförderung ermöglicht: eine hohe Veranstaltungsdichte, große Reichweite, gesellschaftliche Teilhabe und die Mobilisierung zusätzlicher finanzieller Ressourcen.
Gerade in Zeiten angespannter öffentlicher Haushalte sind solche Daten eine wichtige Grundlage, um über den Wert und die Wirkung von Kulturförderung zu sprechen. Die Leipziger Zahlen machen sichtbar, was in der kulturpolitischen Debatte häufig nur abstrakt beschrieben wird: Freie Kultur erreicht Menschen, schafft Räume für Beteiligung und Begegnung und setzt mit öffentlichen Mitteln zusätzliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Ressourcen frei.
Die vollständige Auswertung des Kulturamtes der Stadt Leipzig steht als PDF „Kultur – zahlt sich aus! Leistungs- und Kennzahlen der Freien Szene in Leipzig“ zur Verfügung. Die Pressemitteilung der Stadt Leipzig fasst die zentralen Ergebnisse ebenfalls zusammen.